Der Park Güell

Hallo, ich bin Lasanne, die Echse aus dem Park Güell. Ich freue mich sehr, dass ich, nach Jahrzehnten des Wartens, jetzt auch mal zu Wort komme. Immerhin sitze ich hier schon seit 1900, und bis jetzt ist noch niemand auf die Idee gekommen, zu fragen, was ich während dieser immerhin schon 105 Jahre erlebt habe.
Also gut, ich fange mal an...
Der Park Güell ist ein sehr bekanntes Werk von Antoni Gaudí (ein wunderbarer Mann!). Die Arbeiten im Park begannen 1900 (immer dieser Lärm, es war UNERTRäGLICH!), mussten aber schon 1914 aufgrund finanzieller Probleme eingestellt werden. Der arme Gaudí! Aber nun von Anfang an: 1895 kaufte Eusebi Güell, ein reicher Textilfabrikant, den ich aber nie gesehen habe, die Hügel der Muntanya Pelada, ein Gebiet von 15ha, das ungefähr 150 - 200m über dem Meeresspiegel liegt und von wo aus ich einen wirklich tollen Blick über Barcelona habe! Gaudí erhielt damals den Auftrag für den Park. Er wollte etwa 60 Parzellen mit kleinen Häusern in großen Gärten errichten, der Rest des Gebiets sollte als Park genutzt werden. Aber es wurden nur zwei dieser Häuser auch tatsächlich gebaut und verkauft, eins kaufte Gaudí selbst, was heute das „Museo Gaudí“ ist, das andere kaufte ein Freund von ihm. Das Ziel Gaudís war es, Natur und Architektur zu verbinden, was er, wie ich finde, gut geschafft hat. !922 kaufte die Stadt Barcelona den Park, und seit 1923 ist er öffentlich.
Das erste, was ihr vom Park seht, ist die große Mauer mit sieben Pforten. Gaudí passte seinen Parkentwurf an das vorhandene Gelände an und fand fast alle verwendeten Materialien auf dem Gelände selbst.

Neben dem Eingang befinden sich zwei ovale Pavillons, links liegt das Häuschen des Pförtners, eines ziemlich alten Mannes, der schon etwas verwirrt ist, der rechte Pavillon ist das Verwaltungsgebäude. Ich hab zwar noch nie jemanden von der Verwaltung gesehen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine geben muss... Hinter dem Eingang ist eine zweiteilige Treppe, die von Pflanzbecken und zwei Brunnen getrennt wird, der eine Brunnen trägt den Kopf einer Schlange (Micheline, meine Nachbarin), der andere, das bin ich, eine wunderschöne Echse, wie ihr sicherlich feststellen werdet. Wenn ihr die Treppe hinaufsteigt (und mich damit verlasst, was sehr Schade ist) kommt ihr an die Säulenhalle mit 68 hohlen Säulen. Oberhalb der Säulenhalle liegt ein großer Platz, mit der berühmten Schlangenbank, die gleichzeitig eine Mauer und eine Bank ist. Sie Soll sehr schön sein, auch wenn ich sie noch nie gesehen habe, einer der Nachteile, wenn man eine Keramikechse ist... Wenn es regnet, kann das Regenwasser durch den Boden des Platzes in die hohlen Säulen sickern, die dann die Brunnen (jawohl, mich auch!) mit dem Regen speisen, was ich wirklich hasse, immer dieses dreckige Regenwasser!
Früher wurde er als das Werk eines Stümpers angesehen, doch heute ist der Park eine der Attraktionen Barcelonas, und 1984 wurde er von der Unesco sogar zum Weltkulturerbe erklärt. Gaudí war aber außerdem kein schlechter Architekt, und zudem war er immer sehr höflich, er hat mich immer gegrüßt, und von Zeit zu Zeit hat er sich auch mal einige Minuten mit mir unterhalten. Noch dazu mochte er Echsen, ein sehr sympathischer Charakterzug, wie ich finde! Seit dem der Park ein Weltkulturerbe ist, kommen immer mehr Leute, um ihn (und vor allem mich!) zu besichtigen, ich glaube, es sind jeden Tag mindesten 10 Millionen! Und jeder macht ein Foto von mir, das macht bei 10 Millionen Besuchern jeden Tag jedes Jahr 3650 Millionen Fotos von mir! Und ich sag’s euch, es ist manchmal wirklich anstrengend, berühmt zu sein, immer dieses „Oh ist der süß“, das ist wirklich nervend! (An die, die nicht wissen, von wem die Rede ist: von mir natürlich!) Aber um gerecht zu sein: der Rest des Parks ist auch noch ganz nett.

Mit freundlichen Grüßen,
Lasanne