Wer
war Pythagoras ?

Pythagoras ist um 600 oder um
570 v. Chr. geboren. Er ist in Samos aufgewachsen, unternahm Reisen nach
Phönizien, Ägypten und Babylon, kehrte nach Samos zurück, wanderte um 525 nach Kroton
in Süditalien aus und gründete dort einen Orden, dessen Mitglieder insbesondere
auf eine bestimmte, genau festgelegte Lebensweise verpflichtet wurden.
Anscheinend auf Grund feindseliger Haltung der Bevölkerung gegen die
Pythagoräer ging er um 509 nach Metapont und starb dort.
Bekannt geblieben ist Pythagoras
durch den nach ihm benannten Satz, der aber auch wohl schon vor ihm
babylonischen und ägyptischen Mathematikern, und unabhängig von ihm
chinesischen und indischen Mathematikern, bekannt gewesen sein dürfte:
Bezeichnen a und b die Längen
der Katheten und c die Länge der Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks, so
gilt
a^2 + b^2 = c^2.
Man bezeichnet auch natürliche
Zahlen a, b und c, die diese Gleichung erfüllen, als Pythagoräische Zahlen oder
genauer als Pythagoräische Tripel, da Pythagoras, wie Proklos berichtet, ein
Verfahren angegeben hat, mit dem man beliebig viele solcher Tripel erzeugen
kann. Ist nämlich k eine ungerade Zahl so gilt
k^2 + ((k^2 - 1)/2)^2 = ((k^2 + 1)/2)^2.
Auch in der Astronomie verfügte
Pythagoras über bemerkenswerte Kenntnisse. So erkannte er als einer der ersten,
daß der Abendstern Venus und der Morgenstern Venus ein und derselbe Planet
sind, und daß die Mondbahn gegen den Erdäquator geneigt ist. Außerdem betrachtete
er die Erde als Kugel, die im Mittelpunkt des Universums ruht.
Der Lehrsatz war bereits vor
Lebzeiten Pythagoras in vielen Hochkulturen bekannt.
Bereits in Ägypten zur Zeit des
Königs AMENEMAT I. (um 2300 v. Chr.) war das rechtwinklige Dreieck mit den
Seiten 3, 4, 5 bekannt.
Die sogenannten
"Seilspanner", die Harpenodapten hatten die Aufgabe rechtwinklige
Dreiecke mit den Seitenlängen 3, 4, 5 zu konstruieren. Dazu bedienten sie sich
eines 12 Längeneinheiten langen Seils, das im Abstand einer Längeneinheit einen
Knoten hatte und an beiden Enden zusammen geknotet wurde. Wird das Seil nun am
ersten, vierten und achten Knoten festgehalten und gespannt, entsteht am
vierten Knoten ein rechter Winkel.
Auch in der babylonischen Hochkultur
war bereits 1800 v. Chr. die Tatsache bekannt, daß ein Dreieck mit den Seiten
3, 4, 5 rechtwinklig ist.
Man kann davon ausgehen, daß die
Babylonier für den Spezialfall des gleichschenklig rechtwinkligen Dreiecks eine
Begründung des pythagoreischen Lehrsatzes kannten.
Es scheint also ganz offensichtlich zu sein, daß
Pythagoras nicht der erste Entdecker des Zusammenhangs von rechtwinkligen
Dreiecken mit der Gleichung c2 = a2 + b2 war. Dennoch hat Euklid die Entdeckung
Pythagoras zugeschrieben.

Herleitung durch Abbildungen Herleitungen und Beweise